STEVEN INFERNO
STEVEN INFERNO
Kopf
Satanismus

Der atheistisch Neugetaufte

Selbstverständlich bin ich schon lange aus der Kirche ausgetreten. Und ich weigerte mich zur Konfirmation zu gehen (ich war evangelisch-lutherisch). Allerdings wurde ich, wie (fast) jedes Kind, getauft. Die Taufe dient im Christentum dazu, das Neugeborene feierlich in die Gemeinde aufzunehmen. Ursprünglich kamen nicht getaufte Kinder in eine Vorhölle. Dies wurde allerdings vor kurzem abgeschafft. Trotzdem bereitet die Taufe die Kinder sozusagen symbolisch auf das christliche Leben vor. Gegen die Taufe konnte ich mich damals nicht wehren, denn dazu war ich noch zu klein. Allerdings gibt es eine Möglichkeit, wie man dem bereits stattgefundenen Ritus entgegenwirken kann. Im Christentum gibt es eine Sünde, die nie vergeben wird: Wenn man die Existenz des heiligen Geistes leugnet.

Dies ist zurückzuführen auf Jesus, der einen Exorzismus durchführte. Anwesende behaupteten hinterher, dass er den "Dämon" nicht durch den heiligen Geist, sondern mithilfe des "Dämonenkönigs" Beelzebub ausgetrieben hätte. Jesus antwortete, dass das totaler Quatsch sei und erklärte die Gotteslästerung bezogen auf den heiligen Geist als unverzeihlich:

"Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung wider den Geist wird den Menschen nicht vergeben. (...) wer etwas redet wider den heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt." (Matthäus 12, 31-32)

Um der Taufe symbolisch entgegenzuwirken und von christlichen Bekehrungsversuchen ein für allemal verschont zu bleiben, braucht ihr also nur eine Erklärung abzugeben, in der ihr die Existenz des heiligen Geistes bezweifelt:

"Ich erkläre hiermit im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, dass ich nicht an Jesus als unseren Erlöser und nicht an dessen Vater und nicht an den heiligen Geist glaube. Ich bereue keine meiner Sünden, sehe selbige nicht einmal als Sünden an und werde nicht buße tun, weder jetzt noch später oder zu irgendeinem Zeitpunkt in meinem Leben."

Somit ist der Fall erledigt. Die gleiche Aktion wurde übrigens vor kurzem auf einem Internet-Video-Portal veranstaltet, als hunderte die Existenz des heiligen Geistes leugneten und sich so vom Christentum lösten. Falls es euch interessiert: http://www.blasphemychallenge.com.

Ich persönlich gab mir nach dieser Erklärung, die allerdings schon ein paar Jährchen alt ist, einen neuen Namen: Steven Inferno. Der ist zwar nicht in meinem Personalausweis eingetragen, aber wen interessiert das schon? Für mich ist er lediglich der symbolische Akt einer Neutaufe, auch ohne Taufe.

Auch wenn das "Inferno" einen satanistischen Bezug impliziert, war ich zunächst eine ganze Zeitlang einfach nur Atheist. Und es ist auch nichts falsches daran sein Leben lang Atheist zu bleiben. Wann und wie ich das erste mal mit Satanismus in Kontakt kam, weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich glaube es war bei einem Onlinechat mit einem Satanisten, der mich auf die ersten literarischen Werke in diesem Themenbereich hinwies. Das und einige Gespräche mit nervenden, missionarischen Christen brachten mich schließlich bewusst auf die "Seite Satans", wenn man es so ausdrücken will. Seitdem habe ich eine antichristliche Einstellung. Allerdings definierte ich mich selbst zunächst als "moderner Luziferist".

Was ist Luziferismus? Luziferismus (oder Luziferianismus) definiert die Taten Luzifers überwiegend positiv. Luzifer ist der "Gute" und Gott der "böse"... Diese etwas simpele Grundlage nahm ich und setzte hierauf mein atheistisches Weltbild, in dem "Luzifer" nur noch als Symbol für Wissen und Freiheit verstanden werden sollte. "Moderner Luziferismus" halt. Leider fand ich zum Luziferismus keine verlässlichen, vernünftigen Quellen. Ich musste feststellen, dass das was ich unter "modernern Luziferismus" verstand, eigentlich nichts anderes war als Satanismus. Der Luziferi(ani)smus, wie er beispielsweise von der Church of Lucifer vertreten wird, passt gar nicht auf mein Weltbild und meine Lebensphilosophie. Seitdem bin ich bekennender Satanist.