STEVEN INFERNO
STEVEN INFERNO
Kopf
Satanismus

Luzifer

"Lieber der Herrscher der Hölle, als ein Sklave des Himmels!"
(Frei zitiert aus John Miltons "Das verlorene Paradies")

Luzifer bedeutet wörtlich übersetzt "Lichtbringer". Eigentlich handelt es sich hierbei um den römischen Namen des Morgensterns, ein anderer Name für Phosphoros aus der klassischen Mythologie. In der Bibel wird vom Fall des Königs von Babel berichtet, wobei selbiger hier als "Sohn der Morgenröte" in Anlehnung an den babylonischen Gott Helel verspottet wird (vgl. Jesaja 14, 12). Der "Sohn der Morgenröte" ist in der römischen Mythologie eben Luzifer, da seine Mutter Aurora als Göttin der Morgenröte verehrt wurde. In der Vulgata-Bibel wurde nun "Sohn der Morgenröte" mit "Luzifer" übersetzt. Möglicherweise wollte man - wie es oft und gerne getan wurde - einen polytheistischen Gott dämonisieren. In Gleichsetzung mit "Lukas 10, 18", wo es heißt "Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.", wird so der lichtspendende Morgenstern (Luzifer) letztendlich zum Satan (= Widersacher). Und deshalb wird von Christen oftmals gesagt: Luzifer, einst der oberste und schönste aller Engel, habe sich gegen Gott erhoben (was aus der Anekdote über den Morgenstern zu deuten ist, wenn man Luzifer mit Helel und dem Satan assoziiert), widersetzte sich dessen Herrschaft und wurde deshalb vom Erzengel Michael aus dem Himmel geworfen (vgl. Offenbarung 12, 9).

Wir nehmen dieses Klischee hier einfach an und akzeptieren - natürlich nur bis zu diesem Punkt - das gemeine Weltbild der meisten Christen. In der Offenbarung heißt es nun weiter, dass der gefallene Engel zunächst auf die Erde fiel. "Weh aber der Erde und dem Meer! Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, dass er wenig Zeit hat." (Offenbarung 12, 12) Glauben wir der Bibel, ist die Erde also nicht ein Ort Gottes, sondern wird vom Teufel beherrscht (vgl. 2 Korinther 4, 4). "Teufel" ist vom griechischen "Diabolos" abgeleitet und bedeutet soviel wie Entzweier, Verleumder, Durcheinanderwerfer. Das Weltbild des christlichen Gottes wurde durch Luzifer (= Satan, Teufel) erheblich durcheinander geworfen und die Engel wurden in zwei Lager gespalten. Die eine Hälfte hielt zu Gott, während die andere sich dem Gefallenen anschloss und mit ihm aus dem Himmel verstoßen wurde.

Aber ist Luzifer-Satan böse, nur weil er sich gegen einen Gott auflehnt, der egoistisch und machtgierig ist? "Ich bin der Herr, dein Gott (...). Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. (...)" (2. Mose 2, 20) Er ist auch nicht barmherzig: "Denn ich der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen (...)." (2. Mose 2, 20) Aber was können unschuldige Kinder für die Sünden ihrer Väter? Dies steht übrigens im Gegensatz zum Verbot der Sippenhaft des fünften Buch Mose: "Jeder soll nur für sein eigenes Verbrechen mit dem Tod bestraft werden." (5.Mose 24, 16 / Einheitsübersetzung) Widerspricht sich hier der allwissende Gott?

Nach anthroposophischer Auffassung brachte Luzifer das Licht und das Feuer zu den Menschen. Er erinnert also an die Figur des Prometheus aus der griechischen Mythologie. Musik, Kunst und Dichtung gelten als Produkte "luziferischen Geistes". Auch in der Bibel scheint es Hinweise darauf zu geben, dass der gefallene Engel den Menschen die Augen öffnen wollte: "Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen was gut und böse ist." (1. Mose 3, 4)

Die "Schlange im Paradies" wird allgemein als Gesandter des Teufels gedeutet, oftmals auch als eine seiner vielen Gestalten, die er angeblich annehmen kann. Doch ist der "Sündenfall" negativ? Ist es besser weiterhin als debile Sklaven in einem Garten Eden zu leben, um einem selbstherrlichen Gott zu gefallen? Eine Art Zoo? Hat die Schlange nicht doch ein gutes Werk getan, als sie dem Menschen riet Vernunft anzunehmen? Wurde eigentlich jemals die ketzerische Frage gestellt, warum Gott den "Baum der Erkenntnis" überhaupt erschaffen hat, wenn keiner davon essen sollte? Wurde jemals geklärt, wie zwei völlig unmündige Menschen (denn erst nach dem Genuss des Apfels wussten sie, was "gut und böse" ist) überhaupt eine Sünde begehen konnten? Schließlich hat der Unmündige Narrenfreiheit. Gib einem Affen eine geladene Waffe und er wird jemanden erschiessen. Also warum pflanzt Gott den Baum und gibt damit dem Affen eine Waffe? Die Kirche würde antworten, dass es eine vom Menschen nicht bestandene Prüfung gewesen sei. Aber jemand der unmündig ist, kann nunmal keine Prüfung bestehen. Der Gehorsam des Menschen wird von Gott übrigens ständig geprüft; so steht es in der Bibel (z.B. die Opferung Isaaks [vgl. 1. Mose 22, 2]). Ist das Christentum eine Religion für Sklaven? Dann wäre der Satanismus die "Religion" für frei denkende, für sich selbst verantwortliche Menschen.

Luzifer-Satan ist ein Symbol für den Widerstand

Er ist ein Wesen an dessen Existenz ich nicht einmal glaube und trotzdem eine Art Vorbild für mich. Das Christentum beschreibt ihn als böse, doch für mich ist er ein Kämpfer gegen einen übermächtigen Gegner. Die Geschichte des gefallenen Engels liest sich wie die Geschichte von Galileo oder Malcolm X. Denkt euch "Gott" als Sektenguru und die Engel und Menschen als seine Anhänger. Erzählen diese Gurus nicht auch immer etwas von Liebe, während sie Gewalt ausüben? Verfügen sie über andere Wesen nicht auch so, als wären sie ihr Privateigentum? Ein "Sektenguru", der Sodom & Gomorra vernichtete, der Opfergaben von seinen Dienern forderte und der viele Menschen mit einer Sintflut vernichtete... Lest einfach das Kapitel über die Bibel hierzu. Ein Tyrann. Und Luzifer wäre in diesem Denkmodel der Aussteiger. Der erste, der versucht dem Tyrann Paroli zu bieten. Derjenige, der seine "Brüder" befreien möchte und dafür Verachtung erntet.

Wie bei einem menschlichen Widerstandskämpfer wird auch Luzifer-Satan beschuldigt, böse Absichten zu haben. Um ihn zu diffamieren und unglaubwürdig zu machen, ganz wie bei uns. Was nicht in das Weltbild des Gurus passt, ist böse (für ihn und seine Jünger). Für mich ist er aber ein Symbol des Widerstandes gegen Tyrannen und andere Personen mit ähnlichen Charaktereigenschaften. Sozusagen der erste Revolutionär.