STEVEN INFERNO
STEVEN INFERNO
Kopf
Satanismus

Die neun satanischen Grundsätze

"Im Satanismus gibt es keine Regeln!", diese Behauptung lese ich oft auf den verschiedensten Seiten, die sich im World Wide Web zum Thema finden lassen. Inzwischen gibt es auch einen regelrechten "LaVey-Bashing-Kult", der sich allerdings hauptsächlich auf die Behauptung stützt, dass Satanismus lange vor der CoS existiert habe. Wie bereits angesprochen, lässt sich diese These aber historisch nicht belegen - zumindest nicht, wenn man neutrale (nicht christlich vorbelastete) Quellen verwenden möchte (und ich persönlich sehe das als Vorraussetzung). Dr. LaVey veröffentlichte in seiner Satanischen Bibel die neun satanischen Grundsätze, welche für einen Satanisten verbindlich sind. Es handelt sich dabei weniger um "Handlungsanweisungen", wie beispielsweise die zehn Gebote Moses, sondern eher um eine Charakterisierung des Satanisten an sich. Man muss sich in den Grundsätzen wiederfinden, um sich zu den Satanisten zählen zu können. Viele Menschen leben und akzeptieren diese satanischen Grundsätze schon, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Sie sind Satanisten, ohne dass sie es selber wissen. Sie würden sich genau dann darin wiedererkennen, wenn sie die Grundsätze das erste Mal lesen. Der Umkehrschluss davon ist, dass man nicht zum Satanisten "werden" kann und deswegen gibt es auch keine "satanische Missionarsarbeit". Man ist oder man ist nicht. Als Ergänzung zu den Grundsätzen, könnte man die elf satanischen Regeln der Erde bezeichnen.

Die Apokryphen des Teufels

Dieses Buch las ich erstmalig im Jahr 2007 und war sofort recht begeistert. Es handelt sich dabei um eine Art "alternative Bibel", die viele Geschichten der Bibel aus Sicht der gefallenen Engel erzählt. Für mich als Atheisten hat das natürlich nur symbolischen Charakter. Der Autor John A. de Vito betont im Vorwort allerdings, dass dies nicht seine eigene Geschichte sei, sondern angeblich eine Übersetzung eines uralten Manuskripts gewesen ist. Es soll dem eigentlichen Autor (des mystischen Manuskripts) von Satan direkt diktiert worden sein. Nun das bezweifele ich natürlich. Für mich ist es aber gar nicht wichtig, ob diese Geschichte nun in unserem oder in einem anderen Jahrhundert geschrieben wurde. Seien wir mal ehrlich; was ist die christliche Bibel denn anderes als ein großes Märchenbuch? Ist es nicht vollkommen egal, wer das Märchen erzählt? Die Apokryphen des Teufels greifen Widersprüche in der Bibel auf und erklären dann aus luziferischer Sicht, wie es zu selbigen kam (bzw. wie es wirklich abgelaufen ist). Wenn man das Ganze mit einem Augenzwinkern betrachtet, so hat man zumindest großartige "Teufelsbibelzitate", die man als "unanfechtbare Wahrheit Satans" irgendwelchen religiösen Fundamentalisten-Spinnern um die Ohren knallen kann. Man schlägt sie sozusagen mit den gleichen Methoden... Aber ich schweife ab. In diesen Apokryphen gibt es natürlich auch Lebensregeln, die Satan seinem Jünger Kain mit auf den Weg gegeben haben soll...

Die 13 Gebote Satans

Die 13 Gebote Satans wurden von mir selbst formuliert. Sie sind der Versuch einer Zusammenfassung von Dr. LaVeys neun satanischen Grundsätzen und elf satanischen Regeln der Erde, sowie der "Weisheiten Satans" aus dem "Buch der Philosophien" der "Apokryphen des Teufels" (die ich auch gerne als "Luziferische Bibel" bezeichne...). Ich möchte hier betonen, dass diese "Gebote" nicht die satanischen Grundsätze LaVeys ersetzen sollen (was sie ohnehin nicht können, da sie ja darauf aufbauen). Vielmehr handelt es sich um eine Zusammenfassung für mich selber - um einen Überblick zu haben, was für mich persönlich wichtig ist.

  1. Ich bin nicht der Herr und nicht dein Gott! Sei dein eigener Gott!
  2. Du sollst für deine Taten nur dich selbst verantwortlich machen und nicht den Namen eines anderen dafür missbrauchen!
  3. Du sollst nicht beten, sondern dich deines eigenen Verstandes und deiner eigenen Kraft bedienen!
  4. Du sollst jedes Lebewesen respektieren und achten, außer es hat dir Gründe gegeben dies nicht zu tun!
  5. Du sollst dich wehren, sollte man dir Unrecht tun!
  6. Du sollst dir der Kraft des Glaubens bewusst sein und sie nutzen! Du kannst alles schaffen, wenn du nur daran glaubst!
  7. Du sollst den Augenblick im Dieseits leben und für deine Ziele und Wünsche kämpfen!
  8. Du sollst deine Begierden ausleben und dich selbst frei entfalten. Deine Freiheit endet genau da, wo die eines anderen beginnt. Die Freiheit der anderen endet genau da, wo die deine beginnt!
  9. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider dir selber!
  10. Du sollst deine Fähigkeiten und deine Güte nicht an Undankbare verschwenden!
  11. Du sollst erkennen, dass auch der Mensch nur ein Tier unter vielen ist.
  12. Du sollst anderen nicht deine Sorgen erzählen, solange sie dich nicht danach gefragt haben.
  13. Du sollst als Gast die Regeln des Gastgebers achten. Ist dir dies unmöglich, so besuche ihn nicht! 

Die neun satanischen Sünden

Was ist der Unterschied zwischen satanischen und christlichen Sünden? Nun, der achte satanische Grundsatz sagt uns, dass jede einzelne der sogenannten "christlichen Todsünden" zu emotionaler, physischer oder geistlicher Erfüllung führt. Fakt ist, dass jeder von uns eine oder mehrere dieser "Todsünden" auslebt oder bereits ausgelebt hat und dass dies auch völlig in Ordnung ist.

(1) Hochmut; wer war noch nie Stolz auf etwas? Stolz beflügelt uns und spornt uns an. Ohne auf eine Leistung stolz sein zu können und uns hinterher möglicherweise (hochmütig) als Sieger über die anderen ansehen zu können, wer würde dann noch Leistung erbringen? (2) Neid ist völlig normal. Er hat eine ähnliche Funktion wie Stolz; er motiviert uns. Wenn wir neidisch auf andere gucken, beispielsweise auf unsere Idole o.ä., so sind wir motiviert ihnen nachzueifern, um einmal das gleiche zu erreichen oder um ähnliches zu besitzen. (3) Zorn; wer war noch nie zornig? Es ist nicht normal, sich immer alles gefallen zu lassen. Jede noch so demütigende Erniedrigung mit dem "Anbieten der Linken" zu ertragen, anstatt seiner Wut einmal Luft zu machen. Unterdrückter Zorn macht krank. Gesteuerter Zorn - zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt - kann dagegen sogar hilfreich sein. Beispielsweise beim Sport, wenn man besonders hohe körperliche Anstrengungen bewältigen will. (4) Trägheit ist die "Ruhe nach dem Sturm". Einfach mal nichts tun. Wer maßt sich an, über meine Faulheit zu urteilen? Hingabe ja - aber nur wenn ich es für richtig halte. Nach harten körperlichen Strapazen, nach großen geistigen Anstrengungen oder einfach nach einer stressreichen Woche, ist die Trägheit die Erfüllung. Ausschlafen und einfach mal nichts tun. (5) Der Geiz dagegen schützt uns vor falschen Investitionen. Er sichert unsere Zukunft. Er verhindert, dass wir wichtiges an Undankbare verschwenden oder wertvolles für sinnloses verschleudern. In der heutigen Welt geben wir Geld, das wir nicht haben für Dinge aus, die wir nicht brauchen, um Leuten zu gefallen, die wir nicht mögen. Eine gute Portion Geiz wirkt dem entgegen. (6) Die Völlerei erfüllt uns mit Freude. Nein, wir (Menschen) essen nicht nur zum Überleben. Wir essen auch, weil es uns schmeckt. Der Gourmet begeht jedesmal eine Todsünde, wenn er aus Genuß isst und nicht weil er Hunger hat. Süßigkeiten dienen nur dazu, um einen Geschmack zu befriedigen. Wir alle begehen diese Todsünde und niemand von uns schämt sich dafür. (7) Wer etwas genießt sündigt - nach christlicher Auffassung. Und die berühmteste aller christlichen Todsünden ist auch zugleich die natürlichste. Die Wollust. Die Verteufelung des Sexualtriebes. Jegliche Form von sexueller Betätigung, die nicht dem Zwecke der Fortpflanzung dient, sei eine Sünde. Darunter fallen u.a. der erste Samenerguß des Jungen, die Masturbation, homosexuelle Kontakte oder One-Night-Stands. Wer von euch ist frei von Sünde?

"Wir werden dem Menschen ein göttliches Gesetz geben, dem er nicht gehorchen kann (...).
Dann, wenn er merkt, dass er ungehorsam ist, wird er zum Himmel schauen und um Buße und Gnade bitten."

Michael, der mit Gott überlegt, wie man den Glauben der Menschen stärken könnte. (Des Teufels Apokryphen; Das Buch des Gesetzes, Z. 28 ff.) 

Das ist im Grunde der Kern des Ganzen, auch wenn dieses Zitat eigentlich auf die zehn Gebote des Moses bezogen ist. Man schafft Gesetze, die keiner einhalten kann und Sünden, die jeder irgendwann einmal begehen wird, um dem "Sünder" ein schlechtes Gewissen zu machen. Ob dies nun ein mystischer Gott tut, der den "Glauben" als "Energiequelle" benötigt (wie in unserer Geschichte, aus der das Zitat stammt) oder ob es eine weltliche Institution tut, die möglicherweise auf viele Mitglieder spekuliert, die dann wiederum fleißig "Ablassbriefe" oder ähnliches kaufen, ist dabei vollkommen irrelevant.

Dem gegenüber stehen die "neun satanischen Sünden", die von Dr. Anton Szandor LaVey erkannt und benannt wurden. Es handelt sich dabei um (1) Dummheit, (2) Anmaßung, (3) Solipsismus, (4) Selbsttäuschung, (5) Zugehörigkeit zur Herde, (6) Mangel an Perspektiven, (7) Vergesslichkeit gegenüber früheren Grundsätzen, (8) kontraproduktiver Stolz und (9) Mangel an Ästhetik. Im Gegensatz zu den christlichen Todsünden sind diese Sünden vermeidbar. Und ein "sündenhaftes" Fehlverhalten rächt sich nicht erst durch irgendeinen "Gott" oder sonstigen metaphysischen Quatsch, sondern gleich hier und jetzt - direkt im Diesseits.